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Patientenpräferenzen: Ergebnisse einer deutschen Studie mittels Adaptive Choice-Based Conjoint (ACBC)-Analyse für Patientinnen mit fortgeschrittenem Brustkrebs (aBC) unter palliativer Behandlung
Reinisch M.1, Marschner N.2, Otto T.3, Korfel A.3, Stoffregen C.3, Wöckel A.4
1Interdisziplinäres Brustzentrum, Kliniken Essen-Mitte, Essen, Deutschland, 2Praxis für Onkologie, Freiburg, Deutschland, 3Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg, Deutschland, 4Klinik für Geburtshilfe und Gynäkologie, Universitätsklinik der Julius-Maximilians-Universität, Würzburg, Deutschland

Studienziel: Identifizierung von Therapiepräferenzen bei Patientinnen mit aBC, d.h. Evaluierung der Relevanz der Verlängerung des progressionsfreien und Gesamtüberlebens (PFS und OS) unter Berücksichtigung von Lebensqualität und behandlungsassoziierten Nebenwirkungen.
Methoden: Eingeschlossen wurden postmenopausale HR+/HER2- aBC-Patientinnen unter Erst- oder Zweitlinienbehandlung. Patientenrelevante Attribute zur Therapiebeurteilung wurden durch Desk-Research und qualitative Interviews gesammelt. Eine Conjoint-Matrix wurde entworfen und in zwei Pretests präzisiert. Die finale Matrix (Grundlage der quantitativen Umfrage mittels ACBC-Methode) enthielt OS, PFS, vier Attribute für Lebensqualität und sechs für Nebenwirkungen.
Ergebnisse: Lebensqualität zeigte sich als mehrdimensionales Konzept, das die Fähigkeit, ein „normales“ Leben zu führen und Aktivitäten wie zuvor auszuführen, sowie Mobilität, Sorglosigkeit, etc. beinhaltete. Lebensqualitätseinschränkende Faktoren waren Symptomlast, medizinische Kontrollen und Nebenwirkungen.
Die quantitative Umfrage umfasste 104 Patientinnen: 67% 50-64 Jahre/33% >65 Jahre; Zeit seit aBC-Diagnose < 5 Jahre/>5 Jahre jeweils 50%; 64,4% unter Erst-/35,6% unter Zweitlinienbehandlung. Der Lebensqualitätsparameter „Körperliche Beweglichkeit und Mobilität“, gefolgt von OS und PFS waren Faktoren, die die Therapieauswahl am stärksten beeinflussten (relative Wertung entsprechend 19,4%, 15,2% und 14,4%). Therapiebezogene Nebenwirkungen waren insgesamt weniger wichtig, wobei Übelkeit/Erbrechen am relevantesten waren, gefolgt vom Infektionsrisiko und Durchfall (relative Wertung entsprechend 9,3%, 6,4%, 2,9%). Unterschiede zwischen Erst- und Zweitlinienpatientinnen waren nicht signifikant. Nur bei Übelkeit, Erbrechen und Schleimhauttrockenheit bestand ein signifikanter Zusammenhang zwischen erfahren haben und vermeiden wollen.
Schlussfolgerungen: Therapiepräferenzen bei aBC werden insbesondere durch die Effektivität und die Dimension der Lebensqualität beeinflusst, wobei die Lebenszeitverlängerung kein absolutes Ziel ist und nur ohne großen Lebensqualitätsverlust wünschenswert. Nebenwirkungen haben einen untergeordneten Einfluss auf die Therapieentscheidung.

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