105

Diagnostik und Behandlung von Brustimplantat-assoziierten anaplastischen Lymphomen (Bia-ALCL) - ein Case Report
Riecke K.1, Van Aken C.1, Müller V.1, Schmalfeldt B.1, Seiffert K.1, Witzel I.1
1Universiätsklinikum Hamburg - Eppendorf, Klinik für Gynäkologie, Hamburg, Deutschland

Hintergrund: Die Vorstellung einer 53-jährigen Patientin erfolgte zur Mitbetreuung bei seit 11/2018 bestehender Lymphknotenschwellung rechts axillär bei einliegenden texturierten Silikonimplantaten (Implantateinlage 2011). Eine externe Mammadiagnostik war unauffällig gewesen. Bei weiterbestehender axillärer Lymphadenopathie erfolgte erst 6 Monate später eine CT-Untersuchung von Hals/Thorax und Abdomen, in der sich eine axilläre und infraklaviculäre Lymphadenopathie und ein neuaufgetretenes Serom von 1cm um das rechte Implantat darstellte. Es erfolgte die Vorstellung der Patientin zur Mitbehandlung in unserer Brustsprechstunde. Wir führten eine Lymphknotenbiopsie mit Nachweis eines CD30-positiven, ALK-negativen Brustimplantat-assoziierten anaplastischen großzelligen T-Zell Lymphoms (Bia-ALCL).
Methode: Die durchgeführten Umgebungsuntersuchungen (MRT-Mamma, cMRT) waren unauffällig, sodass im interdisziplinären Tumorboard die Prothesenresektion beidseits mit vollständiger Kapsulektomie für den 09.07.2019 festgelegt wurde.
Ergebnisse: In der histopathologischen Aufarbeitung postoperativ konnte eine Manifestation des Lymphoms perikapsulär festgestellt werden, sodass sich ein postoperatives Tumorstadium von pT4 cN2 M0 (Stadium III nach NCCN-Guideline) ergab. Es wurde die adjuvante Chemotherapie mit 4x CHP (Cyclophosphamid, Doxorubicin, Prednisolon) und Brentuximab (CD 30 pos.) sowie eine nachfolgende Radiatio lokal der Lymphabflusswege durchgeführt.
Diskussion: Bei der Minderheit der Patientinnen manifestiert sich ein Bia-ALCL durch einen soliden Tumor ohne Serombildung um das Implantat. Im vorliegenden Fall führte das zunächst isolierte Vorliegen einer axillären Lymphadenopathie zu einer verzögerten Diagnostik und Diagnosesicherung. Auch bei neu aufgetretener Lymphadenopathie ohne anderweitiges intramammäres Korrelat bei einliegenden Silikonimplantaten sollte eine Lymphomdiagnostik in Betracht gezogen werden.