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Strahlentherapie bei älteren Patientinnen mit Brustkrebs in der klinischen Praxis: Onkologisches Outcome in 4469 Fällen
Corradini S.1, Pazos M.1, Schönecker S.1, Reitz D.1, Niyazi M.1, Bölke E.2, Matuschek C.2, Braun M.3, Pölcher M.3, Würstlein R.4, Harbeck N.4, Belka C.1
1Klinik für Strahlentherapie, LMU Klinikum, München, Deutschland, 2Klinik für Strahlentherapie, Universitätsklinikum Düsseldorf, Düsseldorf, Deutschland, 3Brustzentrum, Rotkreuzklinikum, München, Deutschland, 4Brustzentrum, Frauenklinik der Universität München (LMU), München, Deutschland

Fragestellung: Die Behandlung von älteren Patientinnen mit Brustkrebs weicht im klinischen Alltag häufig von den interdisziplinären Therapieempfehlungen ab. Ziel der vorliegenden Studie war es, die Versorgungsrealität und das onkologische Ergebnis der Strahlentherapie (RT) bei älteren Patientinnen zu evaluieren, welche in einem modernen klinischen Umfeld außerhalb von klinischen Studien behandelt wurden.
Methoden: Es wurden Patientinnen mit der Diagnose Brustkrebs und einem Alter >65 Jahre ausgewertet, welche zwischen 1998-2014 an zwei großen Brustzentren behandelt wurden.
Ergebnisse: Die endgültige Studienkohorte bestand aus 4469 Frauen mit einem medianen Follow-up von 90,8 Monaten. Insgesamt erhielten 26,2% der Patientinnen eine Mastektomie, 71,0% eine brusterhaltende OP und 2,8% wurden nicht operiert. Durch die adjuvante RT konnte eine signifikante Verbesserung der lokoregionären Tumorkontrolle nach BEO erreicht werden (p< 0,001). Auch in der multivariaten Analyse zeigte sich hierbei ein Vorteil durch die RT (HR:3,121;95%KI:2,239-4,352;p< 0,001), während dies in der Mastektomie-Gruppe nicht signifikant war. Außerdem konnte durch die RT das 10-Jahres Risiko für Fernmetastasen signifikant reduziert werden (HR:1,667;95%CI:1,320-2,106,p< 0,001), was mit einem verbesserten Gesamtüberleben assoziiert war (HR:1,630;95%KI:1,376-1,932;p< 0,001). In der Mastektomie-Gruppe wies die Hochrisikogruppe der bestrahlten Patientinnen hingegen häufiger Fernmetastasen auf (p< 0,001). Bei Low-risk-Patientinnen (BEO,pT1pN0/pT2pN0,R0,Hormonrezeptor-positiv,Her2neu-negativ) führte die RT zu einer signifikanten Verbesserung der lokoregionären Tumorkontrolle (p< 0,001), auch wenn eine endokrine Therapie durchgeführt wurde (p< 0,001).
Schlussfolgerungen: Zusammenfassend bestätigt diese Arbeit die Effektivität der postoperativen Strahlentherapie bei älteren Patientinnen (>65 Jahre). Die Indikation zur adjuvanten Radiotherapie sollte für das Kollektiv älterer Patientinnen -nach einer individuellen Abwägung der Lebenserwartung- konsequent gestellt werden, um eine Untertherapie dieser Patientinnen zu verhindern.