41

Pseudolymphom als Differentialdiagnose zum M.Paget der Mamille - Fallberichte
Gerthofer V.1, Hatzipanagiotou M.1, Eggensberger T.1, Hetterich M.1, Weber F.2, Mamilos A.2, Rotter M.2, Evert M.2, Rosenwald A.3, Ortmann O.1, Seitz S.1
1Universitätsfrauenklinik, Caritas Krankenhaus St. Josef, Regensburg, Deutschland, 2Institut für Pathologie der Universität Regensburg, Regensburg, Deutschland, 3Pathologisches Institut der Universität Würzburg, Würzburg, Deutschland

Einleitung: Das Pseudolymphom i.R. einer Borrelieninfektion ist eine seltene Differentialdiagnose zum M. Paget, der häufig mit höhergradigen malignen Veränderungen des Brustdrüsengewebes auftritt.
Fallberichte: Wir präsentieren zwei Patientinnen, 59 (1) und 61 Jahre (2), die mit ekzematös veränderter und geschwollener Mamille auffallen. In beiden Fällen bringen antiinflammatorische, antibiotische und fungizide Lokalmaßnahmen keine Befundbesserung. Sonographisch zeigt sich im 1. Fall ein unauffälliger Befund (BI-RADS 1), im 2. Fall ein suspekter Herdbefund (BI-RADS 4) mit vergrößerten Lymphknoten axillär. Bioptisch lassen sich entzündliche Infiltrate ohne Anhalt für M. Paget nachweisen. Schließlich wird die Verdachtsdiagnose einer Lymphadenosis cutis benigna i.R. einer Borrelieninfektion gestellt. In Anlehnung an die Leitlinie „Kutane Lyme-Borreliose“ folgen Serumdiagnostik (IgG/IgM-ELISA, -Immunoblot) und die PCR. Auf eine weiterführende Diagnostik, z.B. Erregerkultur, kann bei eindeutiger Klinik und positiver Serumdiagnostik verzichtet werden. Es wird eine 21-tägige antibiotische Therapie mit Doxycyclin eingeleitet, in Fall 2 ergeht außerdem die Empfehlung zur Kontrollmammographie drei Monate nach Therapieabschluss.
Histopathologie: Beim Pseudolymphom treten typischerweise lymphoplasmazelluläres Entzündungsinfiltrate mit CD20-/CD3-positiven Lymphozyten ohne Atypien auf. Beim M. Paget hingegen lassen sich „Paget-Zellen“ mit mucinhaltigem Plasma, pleomorphen/ hyperchromatischen Zellkernen im Stratum basale darstellen. CK7, c-ERBB-2 und EMA sind oftmals positiv, eine Hormonrezeptor-Expression ist möglich.
Zusammenfassung: Eine unspezifisch-entzündliche Veränderung der Mamille kann benigne und maligne Ursachen haben. Neben der Bildgebung muss eine bioptische Sicherung erfolgen, um schwerwiegende Behandlungsfehler zu vermeiden. Die Diagnose eines Pseudolymphoms i.R. einer Borrelieninfektion bedarf pathologischer Expertise und muss zumindest serologisch bestätigt werden. Zur Prävention infektionsassoziierter Spätfolgen muss eine antibiotische Therapie mit Doxycyclin (200mg/Tag p.o.), alternativ Amoxicilin (3x500-100mg/Tag p.o.) erfolgen.