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Prognosefaktoren fortgeschrittener Karzinome in Screening-Folgerunden
Holland K.1, Smirnov A.1, Hansu E.1, Adamiec T.1, Schopphoven S.1, Bock K.1
1Referenzzentrum Mammographie Süd West, Marburg, Deutschland

Zielsetzung: Ziel des Mammographie-Screening-Programms ist die Erkennung von Brustkrebs in einem frühen Stadium zur Verringerung der Brustkrebssterblichkeit. Durch Vorverlegung der Diagnose lassen sich Karzinome außerdem schonender therapieren. Wir untersuchten die Tumor- und Prognoseeigenschaften von fortgeschrittenen Karzinomen einer Folgeuntersuchung, die in der Voruntersuchung retrospektiv minimale Hinweise (sog. Minimal Signs) auf das später entdeckte Karzinom zeigten.
Material und Methoden: Rund 18% aller in einer Screening-Einheit entdeckten Karzinome sind fortgeschrittene Karzinome (≥ T2 bzw. N+). In einem Dreijahreszeitraum (2017-2019) waren dies insgesamt 82 Fälle und davon 56 Fälle in Folgerunden. Hierbei konnten bei konservativem Ansatz insgesamt 27 Minimal Signs identifiziert und hinsichtlich etablierter Prognosefaktoren ausgewertet werden.
Ergebnisse: Die histologische Klassifizierung zeigte im Vergleich zu einem Normalkollektiv einen höheren Anteil an lobulären Karzinomen (37% vs. 55,6% NST). Insgesamt 85,2% aller Karzinome erwiesen sich als prognostisch günstig (Luminal-A-like). Als triple-negativ erwies sich nur ein Sonderfall eines adenoidzystischen Karzinoms. 7,4% aller Fälle waren Her2-positiv und 7,4% aller Fälle hatten einen erhöhten Proliferationsmarker Ki67.
Zusammenfassung: Auch fortgeschrittene Karzinome aus Folgeuntersuchungen, für die sich retrospektiv minimale Hinweise in den Voruntersuchungen ergeben, zeigen in der Mehrzahl (88,9%) günstige Prognoseeigenschaften. Trotzdem muss es das Ziel sein, die Anzahl von Fällen mit minimalen Anzeichen für Malignität weiter zu reduzieren, ohne dabei die Zahl falsch positiver Fälle zu erhöhen.