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Nachweis einer BRIP 1-Mutation beim bilateralen, lymphogen metastasierten Mammakarzinom
Jäger B.1, Honisch E.2, Volkmer A.-K.1, Vesper A.-S.1, Haas D.1, Ruckhäberle E.1, Niederacher D.2, Fehm T.1
1Frauenklinik der Universität Düsseldorf, Düsseldorf, Deutschland, 2Frauenklinik der Universität Düsseldorf, Forschungslabor, Düsseldorf, Deutschland

Zielsetzung: Bei fortgeschrittenen Tumorerkrankungen sollen mit Hilfe einer Next Generation Sequencing (NGS)- Analyse von Blut- und Tumorgewebe (Exomanalyse) therapierbare Mutationen und Hinweise auf zu erwartende Nebenwirkungen von Therapien aufgespürt werden.
Materialien, Methoden: 61-jährige Patientin mit lymphogen metastasiertem Mammakarzinom. Mit 49 Jahren Erstdiagnose eines multizentrischen invasiv-duktalen Mammakarzinom links und bifokalen DCIS rechts cT3N1G2ER0/12PR4/12HER2/neu-positiv.
Vortherapien: neoadjuvant 2 Zyklen FEC q3w gefolgt von 4 Zyklen Docetaxel + Trastuzumab (im Anschluss Trastuzumab über 1 Jahre), sowie in der palliativen Situation 3 Zyklen Paclitaxel + Trastuzumab, gefolgt von Trastuzumab mono über 3 Jahre. Nach lymphgenem Progress 3 Jahre Trastuzumab Emtansin.
Nebendiagnose mit 57 Jahren: mäßiggradig differenziertes Kolonkarzinom, G2.
Mit 59 Jahren V.a. hepatische Encephalopathie, sowie V.a. akute Hepatopathie DD Leberzirrhose. Es erfolgt die Umstellung der Therapie auf Capecitabin + Lapatinib.
Durchführung eines NGS zur Analyse molekulargenetischer Eigenschaften des Primärtumors, der Metastasen und Keimbahn für individuelle Behandlungskonzepte.
Ergebnisse: Es wurde die Keimbahn-Mutation BRIP1p.R173C nachgewiesen. BRIP1 ist seit 2019 ein Core Gen des Panels des Konsortiums für familiären Brust- und Eierstockkrebs. Jedoch gibt es bislang uneinheitliche Daten zur Erkrankungswahrscheinlichkeit für Mammakarzinom, die für Ovarialkarzinom scheint erhöht und das Kolonkarzinom assoziiert zu sein. Eine Risiko-reduzierende Salpingo-Oophorektomie, sowie eine Beratung und Testung der Familienangehörigen kann empfohlen werden. BRIP1 ist an der homologen Rekombination beteiligt, ggf. könnten PARP-Inhibitoren eine effektive Therapiestrategie sein.
Zusammenfassung: Die Durchführung einer NGS- Analyse von Blut- und Tumorgewebe (Exomanalyse) in der fortgeschrittenen Krankheitssituation kann neben Mutationen als Therapieziel auch krankheitsursächliche aufdecken. Die Einschätzung eines Zusammenhangs einer BRIP1-Mutation und der Erkrankungswahrscheinlichkeit für Mammakarzinom ist Gegenstand aktueller Studien.