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Der besondere Fall: Das Talgdrüsenkarzinom der Mamma
Löbner S.1, Bangemann N.1
1Carl-Thiem-Klinikum Cottbus, Cottbus, Deutschland

Die Erstvorstellung einer 95-jährigen, mobilitätseingeschränkten Patientin erfolgte mit einem seit 3 Jahren zunehmenden, exulzerierenden, exsudativen Tumor im Areolabereich der linken Mamma ohne familiäre Vorbelastung.
Der undulierende, polypöse Tumor, Durchmesser 8 cm, war schmierig belegt, superinfiziert, vulnerabel, aber nicht blutend, mit Wachstumstendenz.


[Präoperativer Mammabefund linksseitig]


Bei der Befunddiagnostik ergab die histologische Sicherung ein Talgdrüsenkarzinom ausgehend von der Areola links. Weitere Diagnostik brachten keinen Anhalt für eine weitere Tumormanifestation oder axilläre Lymphadenopathie.
Interdisziplinär erfolgte der Entscheid zur kompletten In-sano-Resektion des Tumors unter Berücksichtigung des Alters der Patientin.
Der Tumor wurde spindelförmig umschnitten unter Mitnahme des Mamillen-Areola-Komplexes.
Es folgte die Adaption des umliegenden Drüsengewebes mit anschließender intracorealer Naht im Sinne eines Tabakbeutels ohne intraoperative Komplikationen.
Am 5. postoperativen Tag konnte die Patientin mit häuslicher Wundversorgung entlassen werden.
Die postoperative Histologie ergab ein Talgdrüsenkarzinom der Mamma links: pT3, NX, pL1, pV0, pR0
Nach Tumorkonferenzbeschluss ist keine weitere Therapie erforderlich. Eine Wiedervorstellung ist in 3-6 Monaten geplant.
Diskussion: Das extraokuläre Talgdrüsenkarzinom ist ein sehr seltener maligner epithelialer Tumor, der aus den Talgdrüsen stammt oder diese nachahmt, mit einem lokal- aggressiven Wachstum. Dieser Typ entsteht de novo und metastasiert selten