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Evaluation fortgeschrittener Mammakarzinome von Screeningteilnehmerinnen bei mehrfacher Teilnahme im Vergleich zu Intervallkarzinomen in Norddeutschland
Mathys B.1, Sougrati N.1, Stephan O.1, Hecht G.1
1Referenzzentrum Mammographie Nord, Oldenburg, Deutschland

Zielsetzung: Gemäß europäischer Leitlinien ist die Aufarbeitung von Intervallkarzinomen durch Referenzzentren Bestandteil der Qualitätssicherung im Deutschen Mammographie-Screening-Programm (MSP). Aufgrund unterschiedlicher landesrechtlicher Bestimmungen und technisch/organisatorischer Voraussetzungen ist die Identifikation und Bewertung der Intervallkarzinome bundesweit derzeit nicht flächendeckend möglich, so dass alternativ fortgeschrittene, im Screening bei mehrfacher Teilnahme entdeckte Mammakarzinome (T2+-Folgerundenkarzinome) im Rahmen der Qualitätssicherung ermittelt und klassifiziert werden.
Ziel der Studie war es, T2+-Folgerundenkarzinome und Intervallkarzinome hinsichtlich ihrer Klassifikationsergebnisse miteinander zu vergleichen.
Methoden: Retrospektive Fallserie von 1905 Datensätzen von T2+-Folgerundenkarzinomen (Tumorstadium ≥T2) aus Norddeutschland und 1314 Datensätzen von Intervallkarzinomen aus Niedersachsen bei 50-69-jährigen Screeningteilnehmerinnen mit Klassifikation in die Kategorien: „neu entstanden bzw. echtes Intervallkarzinom“, „radiologisch okkult“, „minimale Anzeichen“, „falsch-negativ“, „nicht klassifizierbar“. Ermittlung der Anteile der Klassifikationskategorien in Prozent mit Vergleich zwischen beiden Gruppen.
Ergebnisse: 90 (4,7%) der T2+-Folgerundenkarzinome und 411 (31,3%) der Intervallkarzinome waren nicht klassifizierbar (u.a. unvollständige Bildgebung). Bei den klassifizierbaren T2+-Folgerundenkarzinomen wurden 68,4% als „neu entstanden“, 0,2% als „radiologisch okkult“, 20,4% als „minimale Anzeichen“ und 11,0% als „falsch-negativ“ klassifiziert. Bei den klassifizierbaren Intervallkarzinomen wurden 50,5% der Kategorie „echtes Intervallkarzinom“ zugeordnet. 11,2% waren „radiologisch okkult, 17,8% mit „minimalen Anzeichen“ und 20,4% „falsch-negativ“.
Zusammenfassung: Die Kategorisierung der T2+-Folgerundenkarzinome zur internen Qualitätssicherung im MSP ist im Gegensatz zur Auswertung der Intervallkarzinome deutschlandweit rechtlich möglich und etabliert. Probleme bei der Klassifikation aufgrund unvollständiger oder fehlender Bilddatensätze treten bei der Bewertung der T2+-Folgerundenkarzinome wesentlich seltener auf. Der Anteil der nicht klassifizierbaren Karzinome ist deutlich geringer. Trotz der Unterschiede in der Verteilung der Kategorien sind die T2+-Folgerundenkarzinome ein wertvolles Mittel zur Qualitätsbeurteilung der Screeningeinheiten.