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Aktueller Algorithmus zur Diagnostik und Therapie des Brustimplantat-assoziierten anaplastischen großzelligen Lymphoms
Möllhoff N.1, Frank K.1, Wiggenhauser P.S.1, Schenck T.L.1, Mayr D.2, Giunta R.E.1
1Klinikum der Universität München, Hand-, Plastische- und Ästhetische Chirurgie, München, Deutschland, 2Ludwig Maximilian Universität München, Pathologisches Institut, München, Deutschland

Zielsetzung: Beim BIA-ALCL trägt die Früherkennung und das rasche Einleiten therapeutischer Maßnahmen wesentlich zur Überlebenszeit von Betroffenen bei. Hiermit soll der aktuelle wissenschaftliche Stand im Hinblick auf Diagnostik und Therapie des BIA - ALCL zusammengefasst werden.
Material und Methoden: Auswertung von Statistiken, Originalarbeiten und Übersichtsarbeiten aus Fachzeitschriften.
Ergebnisse: Bei klinischem Verdacht (Spätserom) wird eine sonographische Untersuchung der Brust oder Bildgebung mittels MRT durchgeführt. Besteht ein Flüssigkeitssaum um das Implantat erfolgt eine Feinnadelaspirationszytologie bzw. Feinnadelbiopsie bei soliden Tumoren. Die Präparate werden pathologisch zunächst durch Standardfärbung im Ausstrichpräparat und Zytoblock verarbeitet. Sind morphologisch auffällige, atypische Zellen vorhanden, folgt die Immunhistochemie (CD30, CD68 oder CD163). Zur Diagnosesicherung werden Marker wie ALK, CD 2, CD 3, CD 4, CD 5, CD 7, CD 8, CD 45 untersucht und eine T-Zell Klonalitätsanalyse durchgeführt. Wird ein BIA-ALCL diagnostiziert, muss durch den behandelnden Arzt die Meldung an das BfArM, den Hersteller, die FDA, das PROFILE Register der ASPS und die DGPRÄC erfolgen. Die Ausbreitungsdiagnostik erfolgt mittels PET-CT. Therapeutisch steht die radikale chirurgische Intervention mit Implantatentfernung, vollständiger Kapsulektomie und Exzision ggf. vorhandener Tumorzellmassen im Vordergrund. Je nach Tumorausmaß erfolgt eine Ausweitung der Resektionsgrenzen. Bezüglich Sicherheitsabständen oder der Sentinel-Lymphknotenbiopsie bestehen keine klaren Empfehlungen. In fortgeschrittenen Stadien mit Lymphknotenbefall wird eine systemische Chemotherapie entsprechend der ECHELON II Studie mit Anthrazyklinen und Brentuximab Vedotin empfohlen. Eine Radiotherapie wird bei Lokalrezidiven, nicht-resektablem Tumor oder nicht-tumorfreien Resektionsrändern empfohlen.
Zusammenfassung: Das BIA-ALCL erfordert die interdisziplinäre Zusammenarbeit im Brustzentrum. Der hier vorgestellte Algorithmus zur Diagnostik und Therapie fasst unsere Vorgehensweise entsprechend der aktuellen Literaturlage zusammen.